by Pruefer | März 18, 2025 | News
Menschenrechte garantieren, Zukunft gestalten – Gleichstellung jetzt!
Die Gleichstellung der Geschlechter ist im Jahr 2025 weder in Deutschland noch in einem anderen Land der Erde verwirklicht. Im Gegenteil: Wir leben in einer Zeit, in der sich bestehende Diskriminierungsstrukturen trotz einzelner Fortschritte und dem unermüdlichen Einsatz vieler Organisationen und Aktivist*innen festigen und vertiefen. Über Jahrzehnte erkämpfte Frauenrechte werden weltweit systematisch angegriffen und eingeschränkt. Die offen frauenfeindliche Politik in Afghanistan, im Iran und in den USA, sexualisierte Kriegsgewalt im Sudan, im Jemen, in der Ukraine und in jedem anderen bewaffneten Konflikt, das globale Erstarken antifeministischer Bewegungen und der Anstieg von geschlechtsspezifischer Gewalt in Deutschland sind nur die Spitze des Eisbergs. Der internationale Rechtsruck, die Klimakrise, die zunehmende Militarisierung und die steigende soziale Ungleichheit verschärfen darüber hinaus die Lage für Frauen und andere (mehrfach) marginalisierte Personen, die systematisch ihrer Menschenrechte beraubt und benachteiligt werden.
Umso ernüchternder ist die Tatsache, dass Gleichstellungspolitik im Wahlkampf vor den Bundestagswahlen am 23. Februar 2025 eine bestenfalls untergeordnete Rolle spielte. Dass Frauenrechte in der politischen Agenda immer weiter nach hinten zu fallen scheinen, ist fatal. Die Geschlechtergleichstellung ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Wenn in Kauf genommen wird, dass die systematische Diskriminierung von Frauen und TIN*-Personen fortbesteht, werden sowohl Menschenrechte als auch unsere Demokratie als solche verletzt. Gleichzeitig profitieren nicht nur Frauen und TIN*-Personen von einer konsequenten Gleichstellungspolitik. Sie ist vielmehr ein entscheidender Faktor, um die multiplen Krisen unserer Zeit bewältigen und eine freie, nachhaltige wie sichere Zukunft gestalten zu können. Der aktive Einbezug von Frauen in Friedensprozesse und in Entscheidungen zu Klima- und Umweltfragen, Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und in der Bildung sowie ein geschlechtergerechtes Gesundheits- und Wirtschaftssystem machen unsere Gesellschaft und unseren Planeten resilienter, friedlicher, gerechter und zukunftsfähig.
Als Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. fordern wir daher anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2025 eine konsequente Gleichstellungspolitik in der neuen Legislaturperiode. Geschlechtergleichstellung muss ins Zentrum des politischen Handelns gestellt und bei allen Maßnahmen mitgedacht werden. Im Bereich des Gewaltschutzes fordern wir die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung und Verhütung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Geschlechtsspezifische Gewalt muss von allen politischen Entscheidungsträger*innen als strukturelles, intersektionales Problem begriffen und dementsprechend umfassend adressiert werden. Dafür braucht es ein grundlegendes Umdenken weg von der Individualisierung von Gewalt und Inverantwortungsnahme von betroffenen Frauen. Stattdessen müssen die Ursachen adressiert und Gewalt präventiv verhindert werden: durch die entschiedene Bekämpfung von Antifeminismus, durch geschlechtssensible Bildungsarbeit, durch den Abbau von diskriminierenden Strukturen und durch den Ausbau von verpflichtender Täterarbeit. Gleichstellung jetzt!
Über uns:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. ist der profeministische Dachverband von Täterarbeitseinrichtungen in Deutschland. Aktuell vertritt der Dachverband 91 Mitgliedseinrichtungen.
Als Verband engagiert sich die BAG TäHG in interinstitutionellen Kooperationsbündnissen gegen häusliche Gewalt, realisiert Projekte zur Professionalisierung und Weiterentwicklung der Täterarbeit, führt Veranstaltungen und Weiterbildungen für Fachkräfte durch und setzt sich für die Umsetzung der Istanbul-Konvention ein.
by Van Calker | Aug. 6, 2024 | Männerpalaver 2025, News, Selbsterfahrung aktuell
Das Münchner Informationszentrum für Männer e.V. (MIM), die Evangelische Stadtakademie München und das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V. (SuB) veranstalten in Kooperation seit über 25 Jahren das Männer*Palaver.
Das Männer*Palaver ist ein hierarchiefreier Austausch unter Männern*. An jedem Abend steht ein Thema im Vordergrund, dass in der Männer*runde ergründet wird. Ohne Redeliste aber in einer Haltung von Achtsamkeit und Respekt. Jede Perspektive und Sichtweise ist wichtig und wertvoll.
Also lasst uns reden! Unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Religion oder sozialem Status
Ort: Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München
Zeit: Montags, 19:15 – 21:00 Uhr
Kosten Richtwert 5€, zahlbar vor Ort,
Anmeldung: Auf der Webpräsenz der evangelischen Stadtakademie München:
https://www.stadtakademie-muenchen.de/reihe/13071/
2025 – Wir Zwei?! – eine Reihe zum Thema Partnerschaft
13.01.25: Soziale Kontakte
20.01.25: Freiraum / Selbstfürsorge, Nähe und Intimität
27.01.25: Kommunikation
03.02.25: Hausarbeit / Carearbeit / Arbeitsteilung
10.02.25: Macht / Gewalt
17.02.25: Finanzen und gemeinsame Zukunft planen
25.02.25: Ohne Partner*In leben
by Van Calker | Aug. 6, 2024 | News
Thomas Hampel, Polizeipräsident in München, gratulierte in einer Jubiläumsschrift zu 20 Jahren Münchner Unterstützungsmodell gegen häusliche Gewalt – MUM.
Das MIM ist seit Beginn Teil des Kooperationsnetzwerks MUM.
Alles Gute zum 20. Geburtstag, MUM!
Sehr geehrte Damen und Herren,
da ich heute leider nicht persönlich an der Veranstaltung anlässlich
des 20-jährigen Jubiläums von MUM teilnehmen kann, möchte ich die
Chance nutzen und einige Zeilen an Sie richten.
Vor mittlerweile 20 Jahren wurde auf Initiative des Fachkommissariats
105 beim Polizeipräsidium München die Idee des Münchner
Unterstützungsmodells gegen Häusliche Gewalt, kurz MUM, geboren.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen,
der Interventionsstelle des Landkreises München, dem Frauennotruf
München, dem Verein Frauen helfen Frauen, der Frauenhilfe
München und dem Münchner Informationszentrum für Männer leben
wir das Thema Opferschutz.
Um den Opfern von häuslicher Gewalt ein Beratungsangebot zukommen
zu lassen, werden die Betroffenen innerhalb von wenigen Tagen
pro-aktiv von Ihnen kontaktiert. Denn gerade Opfer von häuslicher
Gewalt scheuen sich oftmals aus Scham oder Angst, Kontakt zu
Opferberatungsstellen oder der Polizei aufzunehmen.
Somit sind Sie es, die durch Ihr schnelles Tätigwerden, den Opfern
diese Angst nehmen und die so wichtige unmittelbare Erstberatung
gewährleisten.
Im Jahr 2023 wurde 2.236 Opfern von häuslicher Gewalt im Rahmen
von MUM ein telefonisches oder schriftliches Beratungsangebot
unterbreitet.
Betrachtet man die Anzahl der einstweiligen gerichtlichen Schutz-
anordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz, die Opfer von häuslicher
Gewalt beantragt haben, ist eine erhebliche Steigerung zu erkennen.
Im Jahr 2003 wurden lediglich 86 solcher Anordnungen beantragt. Im
Jahr 2023 hingegen waren es mehr als achtmal soviele Schutz-
anordnungen, nämlich 695.
Es darf Sie deshalb mit Stolz erfüllen, welche beeindruckende
Entwicklung das vor zwanzig Jahren ins Leben gerufene Modell genommen
hat. MUM ist aktueller und erfolgreicher denn je.
Der Erfolg von MUM lebt insbesondere auch vom engen und
freundschaftlichen Kontakt der MUM Partner untereinander.
Ich möchte mich im Namen des Polizeipräsidiums München. aber auch
ganz persönlich für Ihre tolle Arbeit bedanken und Ihnen meine
Anerkennung aussprechen.
Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute, viel Erfolg
bei Ihrer wertvollen Arbeit zum Wohle der Opfer von häuslicher Gewalt
und stets die notwendige Kraft und das entsprechende
Durchhaltevermögen.
Mit den besten Grüßen
Th. Hampel
Polizeipräsdident
by Van Calker | Mai 8, 2024 | News
Um der seit Jahren steigenden Anzahl der Fälle häuslicher Gewalt gerecht zu werden, sind flächendeckende Beratungsangebote in der Täterarbeit unumgänglich. Daher installierte das Münchner Informationszentrum für Männer unter Förderung des bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales im Jahr im Jahr 2021 die Außenstelle des MIM im Raum Ingolstadt. Dort beraten wir männliche Täter von häuslicher Gewalt in den Landkreisen Ingolstadt, Freising, Erding, Dachau, Eichstätt, Pfaffenhofen an der Ilm und Neuburg-Schrobenhausen nach dem Standard BAG TäHG e.V. Ziel ist es, im Raum Ingolstadt, häusliche Gewalt perspektivisch zu minimieren und in der Folge Opferschutz zu gewährleisten (Gewaltprävention).
Am 02.05.2024 fand im Staatsministerium für Famile, Arbeit und Soziales ein Netzwerktreffen für die vom Stamas geförderten bayerischen Täterberatungsstellen statt. Eingeladen haben Frau Dr. Christiane Nischler-Leibl, die Leiterin der Abteilung VI – Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention und Frau Maria Eckl, ebenfalls Abteilung VI. Für das MIM teilgenommen hat Jan Thomas van Calker, Fachstelle Täterarbeit Ingolstadt.
by Van Calker | März 7, 2024 | News
„Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“ – Die Forderung von Clara Zetkin, der Initiatorin des ersten Internationalen Frauentags, ist leider nach 114 Jahren aktueller denn je. Sicher geglaubte Frauenrechte und feministische Errungenschaften werden in Zeiten von Militarisierung und internationalem Rechtsruck wieder infrage gestellt. Antifeministische Parteien und Narrative, die sexistisch und offen menschenfeindlich sind, werden mehrheitsfähig. Und das, obwohl auch im Jahr 2024 kein Land der Welt die Gleichstellung der Geschlechter verwirklicht hat. Trotz (oder gerade wegen) der Erfolge feministischer Kämpfe werden Frauen weiterhin täglich in ihren Menschenrechten verletzt und sind systematisch von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Allein in Deutschland wurden seit Anfang des Jahres 20 Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet.
Gleichzeitig existieren unzählige Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich entschlossen und lautstark für eine Gesellschaft ohne Geschlechterdiskriminierung einsetzen. Insbesondere von Frauen und Feminist*innen getragen machen sie auf Missstände aufmerksam, unterstützen Betroffene, fordern bestehende Verhältnisse heraus und stoßen auch in schwierigen Zeiten weltweit Veränderungsprozesse an.
Damit der Einsatz für Geschlechtergleichstellung erfolgreich sein kann, sind starke Bündnisse und Kooperationen essenziell. Bündnisse gegen geschlechtsspezifische Gewalt müssen deshalb gestärkt, ausgebaut und breit unterstützt werden. Nur durch das Zusammenwirken vieler Kräfte können wir (mehrfachdiskriminierte) Frauen vor Gewalt schützen und gewaltvolle Gesellschaftsstrukturen verändern. Nur als Gesellschaft können wir unsere Demokratie vor antifeministischen, rechtsextremen Angriffen verteidigen und allen Menschen in unserem Land ein gewaltfreies Leben ermöglichen.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. ist Mitglied interdisziplinärer Netzwerke gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt. Wir sind davon überzeugt, dass eine Gesellschaft ohne Geschlechterdiskriminierung nur möglich ist, wenn der Kampf für Geschlechtergleichstellung endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen wird. Deshalb fordern wir zum Internationalen Frauentag, dass sich demokratische Parteien auch in Hinblick auf die EU-Parlamentswahlen entschieden gegen Gewalt an Frauen und Antifeminismus positionieren sowie geschlechtsspezifische Merkmale in künftigen Gesetzesvorhaben stärker berücksichtigen. Zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für die Rechte diskriminierter Menschen einsetzen, müssen ausreichend finanziert und in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Auf lokaler Ebene bedarf es zudem weiterer Ressourcen, um Kooperation und Vernetzung zwischen relevanten Akteur*innen vor Ort sicherzustellen.
Für eine demokratische Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig ihres Geschlechts frei und sicher leben können!
Mit freundlichen Grüßen
Bundesarbeitsgemeinschaft Täterabeit Häusliche Gewalt e.V.