Menschenrechte garantieren, Zukunft gestalten – Gleichstellung jetzt!
Die Gleichstellung der Geschlechter ist im Jahr 2025 weder in Deutschland noch in einem anderen Land der Erde verwirklicht. Im Gegenteil: Wir leben in einer Zeit, in der sich bestehende Diskriminierungsstrukturen trotz einzelner Fortschritte und dem unermüdlichen Einsatz vieler Organisationen und Aktivist*innen festigen und vertiefen. Über Jahrzehnte erkämpfte Frauenrechte werden weltweit systematisch angegriffen und eingeschränkt. Die offen frauenfeindliche Politik in Afghanistan, im Iran und in den USA, sexualisierte Kriegsgewalt im Sudan, im Jemen, in der Ukraine und in jedem anderen bewaffneten Konflikt, das globale Erstarken antifeministischer Bewegungen und der Anstieg von geschlechtsspezifischer Gewalt in Deutschland sind nur die Spitze des Eisbergs. Der internationale Rechtsruck, die Klimakrise, die zunehmende Militarisierung und die steigende soziale Ungleichheit verschärfen darüber hinaus die Lage für Frauen und andere (mehrfach) marginalisierte Personen, die systematisch ihrer Menschenrechte beraubt und benachteiligt werden.

Umso ernüchternder ist die Tatsache, dass Gleichstellungspolitik im Wahlkampf vor den Bundestagswahlen am 23. Februar 2025 eine bestenfalls untergeordnete Rolle spielte. Dass Frauenrechte in der politischen Agenda immer weiter nach hinten zu fallen scheinen, ist fatal. Die Geschlechtergleichstellung ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Wenn in Kauf genommen wird, dass die systematische Diskriminierung von Frauen und TIN*-Personen fortbesteht, werden sowohl Menschenrechte als auch unsere Demokratie als solche verletzt. Gleichzeitig profitieren nicht nur Frauen und TIN*-Personen von einer konsequenten Gleichstellungspolitik. Sie ist vielmehr ein entscheidender Faktor, um die multiplen Krisen unserer Zeit bewältigen und eine freie, nachhaltige wie sichere Zukunft gestalten zu können. Der aktive Einbezug von Frauen in Friedensprozesse und in Entscheidungen zu Klima- und Umweltfragen, Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und in der Bildung sowie ein geschlechtergerechtes Gesundheits- und Wirtschaftssystem machen unsere Gesellschaft und unseren Planeten resilienter, friedlicher, gerechter und zukunftsfähig.

Als Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. fordern wir daher anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2025 eine konsequente Gleichstellungspolitik in der neuen Legislaturperiode. Geschlechtergleichstellung muss ins Zentrum des politischen Handelns gestellt und bei allen Maßnahmen mitgedacht werden. Im Bereich des Gewaltschutzes fordern wir die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung und Verhütung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Geschlechtsspezifische Gewalt muss von allen politischen Entscheidungsträger*innen als strukturelles, intersektionales Problem begriffen und dementsprechend umfassend adressiert werden. Dafür braucht es ein grundlegendes Umdenken weg von der Individualisierung von Gewalt und Inverantwortungsnahme von betroffenen Frauen. Stattdessen müssen die Ursachen adressiert und Gewalt präventiv verhindert werden: durch die entschiedene Bekämpfung von Antifeminismus, durch geschlechtssensible Bildungsarbeit, durch den Abbau von diskriminierenden Strukturen und durch den Ausbau von verpflichtender Täterarbeit. Gleichstellung jetzt!

Über uns:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. ist der profeministische Dachverband von Täterarbeitseinrichtungen in Deutschland. Aktuell vertritt der Dachverband 91 Mitgliedseinrichtungen.
Als Verband engagiert sich die BAG TäHG in interinstitutionellen Kooperationsbündnissen gegen häusliche Gewalt, realisiert Projekte zur Professionalisierung und Weiterentwicklung der Täterarbeit, führt Veranstaltungen und Weiterbildungen für Fachkräfte durch und setzt sich für die Umsetzung der Istanbul-Konvention ein.